USV im Funkenflug

Eines Tages hat es der EDV-Abteilung gereicht: die Stromqualität des lokalen Stromversorgers war so grottig, daß jedes Jahr hohe 4-stellige Verluste an lokalen USVs und an Servernetzteilen geschrieben wurden. Ein Transientenrekorder zeichnete auf. Soll: Sinus, Ist: Dreieck mit überlagerten Dolomiten.

Eine große, zentrale USV wurde angeschafft. In allen Häusern wurde eine parallele SV-Versorgung aufgebaut. Die Serverräume bekamen neue Unterverteilungen. Der Umzug der Stromversorgung im zentralen Serverraum stand bevor. Das war natürlich verbunden mit dem Herunterfahren und Wiederanfahren aller Systeme.

Termine vereinbart, Downtime verabredet, Abläufe geplant. Alles war gut vorbereitet. Der Anschluß der lokalen Stromkreise und der Racks an die neue Unterverteilung lag in der Obhut des Hauselektrikers. Die Aufgabe bestand darin, aus 380V-Drehstrom 3x 230V auszukoppeln.

Als alles termingerecht fertig war, kam der Zeitpunkt des Anschaltens. Erst die lokalen USVs, die sicherheitshalber noch einmal belassen wurden, dann die Peripherie, dann die Server usw. „Alles richtig verkabelt ?“ – „Ja, kann losgehen!“. Der Elektriker schaltet die Sicherungen zu, die USVs bekommen zuerst Strom.

Brutzel — Knister — Knall. Sicherungen fallen, es riecht. Eine Sicherung fällt nicht. Dahinter eine IMV-Victron-USV, 3000 kVA. Der Lüfter dreht, und hinten fliegen die Funken heraus. Es sieht aus, wie ein startendes Raketentriebwerk. Schnell zur Unterverteilung, Sicherung wieder raus. Danach riecht es sehr intensiv im Serverraum.

Die Wiederinbetriebnahme fand dann ohne lokale USVs statt, deren es 4 Stück zerlegt hatte, und natürlich um Stunden verzögert.

Was war passiert ? Der gute Mann hatte für die Verdrahtung ein 5-adriges Kabel verwendet, 3x Phase (380V), 1x Null und 1x Erde. Zwischen den Phasen entnahm er die 230V. Das Problem war, daß das Kabel 2x schwarze Adern für die Phase hatte. Offensichtlich hatte er die falsche Phase erwischt. Und deswegen fuhr die USV mit 380V – aber nur kurz. Sie flog im Funkenflug davon. Ich muß zugeben, daß der Anblick einer funkensprühenden USV etwas Faszinierendes an sich hatte.

Der Hauselektriker entschuldigte sich damit, daß er das Kabel „noch aus Altbeständen im Lager gefunden habe, was billiger gewesen sei, als neues Kabel zu beschaffen.“

Die Bedeutung des Sinnspruchs „nicht wissen, was Phase ist“ hatte für die EDV an diesem Tag eine wörtliche Bedeutung erfahren …

 


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3 Antworten auf USV im Funkenflug

  1. nofiler71 sagt:

    Sorry, musste grad grinsen, also der Sachverhalt ist doch so, zwischen den Phasen liegen immer 380V (400V) an, Abnahme von 230 V erfolgt über eine Phase + Nullleiter und natürlich notwendigerweise auch inklusive Schutzleiter.
    Wenn das der Elektriker nicht wusste, ohweia. 🙁

    Gruss…

  2. Patrick sagt:

    Also das Kabel hat heutzutage immer noch die selbe Farbgebung…

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