Der eingesperrte Kollege

Es begab sich etwa um das Jahr 1999/2000. Noch längst nicht jeder Kollege hatte freien Internetzugang, es tobte der Browserkrieg, der neue Markt boomte …

Ich also an meinem Arbeitsplatz wieder mal mit hunderten von Fenstern auf nem winzigen LCD-Bildschirm: Datenbanktools, Browser, Terminal-Fenster auf verschiedenen Servern, zig E-Mails gleichzeit auf. Kurz gesagt: Arbeitsweise eines Musterschülers für effizientes und stressfreies Arbeiten und Administrieren.

Plötzlich: Klopfen …

Wieder die Konzentration auf mein Datenbanktool gerichtet: Optimierung des Zugriffspfades auf meine Daten in dem RDBMS.

Zwei Minuten Später: Wieder Klopfen!

Innehalten … Kopf nach rechts und links und unten … Nichts …

Wieder weiter hacken.

Nach einiger Zeit wieder dieses Klopfen: Tock, Tock, Tock.
Da ist doch jemand, nur wo?

Also: Arbeitsplatz verlassen und schauen. Nichts. Auch kein Klopfen mehr.

Wieder in die Arbeit eingetaucht.

Da ist es wieder: Das Klopfen. Da braucht doch jemand Hilfe !!!
Ohr an den Kabelschacht, der in den Keller führt: Stille.

Ich rufe die 1313 an: Haustechnik. Die wissen, welche Räume sich im Keller unter mir befinden und können die eingeschlossene Person bestimmt gleich befreien.

Nach 5 Minuten stehen sie bei mir mit zwei Leuten im Büro. Liegen auf dem Boden mit einem Ohr fest auf den braunen Teppich gedrückt. Dann das Ohr am Kabelschacht.

Da ist es wieder: Tock, tock, tock.
Yippie, sie haben es auch gehört und die Person kann nun hoffentlich gleich aus ihrem Verschluss befreit werden.

Dummerweise sitzt die Person nicht im Keller sondern bei mir im PC.
Ich wusste nicht, dass so’n blödes Werbebanner auf einem Tab meines frischen Firefox sporadisch Klopfgeräusche von sich gab. Auch wusste ich nicht, dass in meinem PC ein Lautsprecher eingebaut war, der auch andere Töne von sich geben konnte, als Piep, piep.
Das Gelächter war gross und die für mich peinliche Geschichte wird mir gelegentlich immer wieder auf’s Brot geschmiert.
Letztendlich haben aber alle drüber gelacht.


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